Blickfang & Segen

Spirituelle Bildbetrachtungen von Pastoralreferent Dr. Michael Graf

Mai 2026 - Schutzzäune unserer Mitmenschen

Liebe Leserinnen und Leser unseres Pfarrbriefes,

das Spielen mit Dominosteinen ist uns allen aus der Erfahrung vertraut. Und auch das: Wenn mühevoll Steine hintereinander aufgerichtet sind, sie alle einstürzen, sobald man den ersten zum Kippen bringt. Auf diesem Prinzip basierend, gab es vor einigen Jahren auch einmal eine langwierig und aufwendig produzierte Fernsehshow.

Es liegt in der Eigenart vieler Menschen, sich imaginäre Schutzwände oder Schutzzäune wie aus Dominosteinen zur Bewältigung des Alltags, zur Kaschierung von Schwächen und Fehlern zu errichten.

Ich wünsche uns allen, dass wir achtsam miteinander umgehen, um nicht unbedacht durch Rede oder Tat diese Schutzzäune unserer Mitmenschen zum Einsturz zu bringen.

In diesem Sinne Ihnen einen sonnig-harmonischen Mai!
Bleiben Sie behütet.

Ihr Michael Graf
 

Ältere Betrachtungen

Liebe Leserinnen und Leser unseres Pfarrbriefes,

das Fotomotiv mit dem trockenen und dennoch frisch austreibenden Rosenstock kann uns vielleicht im Glauben helfen. War doch Weihnachten schon fast zu schwer zu glauben:

Gott wird Mensch, mit Haut und Haaren wie du und ich.

Und nun kommt Ostern, die eigentlich unglaubliche Vollendung des weihnachtlichen Wunders. Der menschgewordene Gott, gemartert und zu Tode geschunden. Er wird begraben, überwindet dennoch alle Schranken sowie den Tod und entsteigt dem dunklen steinernen Grab zu einem neuen Leben.

Wie auch beim Weihnachtsereignis gibt es zu Ostern keine komplementären menschlichen Erfahrungen. Nun kommt unser Fotomotiv wieder ins Spiel, das ein naturwissenschaftliches Wissen aus jährlich wiederkehrender Erfahrung abbildet.

Ist der Stock, der Rosenstock, auch noch so dürr, so tot und so trocken, er treibt doch jedes Jahr im Frühling neu. Dies auch auf das Ostergeheimnis übertragen zu können, das wünsche ich uns allen.

Bleiben Sie behütet und haben Sie ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Ihr Michael Graf

Liebe Leserinnen und Leser unseres Pfarrbriefes,

der rote Teppich liegt bereit. Am Palmsonntag kommen – nach biblischer Überlieferung – noch Kleider und Palmzweige hinzu, die die Menschen für Jesus ausbreiten, um ihm zuzujubeln und zu huldigen. Fünf Tage später sind Teppich, Kleider und Palmzweige verschwunden, als Jesus geschlagen und geschunden auf die Stufen vor dem Praetorium tritt und dieselbe Menge ruft: „Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm!“.

Zuneigung, Lob und Huldigung der Menschen sind offensichtlich sehr unbeständig und wankelmütig. Trotz dieser Erkenntnis wünsche ich Ihnen, dass Sie aus der Passionszeit und auch aus dem Palmsonntag Hoffnung, Kraft und Zuversicht schöpfen können.

Und vielleicht hilft uns die Erkenntnis der Tatsache der menschlichen Wankelmütigkeit sogar. Nämlich, dass wir vermeiden können, selber in eine uns blockierende menschliche Gefallsucht hineinzurutschen.

In diesem Sinne bleiben Sie behütet bis zum Palmsonntag und darüber hinaus!

Ihr Michael Graf, Pastoralreferent

 

Liebe Leserinnen und Leser unseres Pfarrbriefes,

der Monat Februar ist zweigeteilt. In der ersten Hälfte überwiegt natürlich noch der karnevalistische Frohsinn und dann beginnt mit dem Aschermittwoch die ernste Zeit der besinnlichen Vorbereitung auf das Osterfest. In beiden Hälften kann uns der teuflische Diabolus, der Durcheinanderwerfer aller Dinge, begegnen.

Zunächst im karnevalistischen Kostüm und dann am ersten Fastensonntag im Evangelium als Akteur, der Jesus zu Beginn von dessen irdischer Wirksamkeit versucht, auf seine Seite zu ziehen, indem er ihm allen weltlichen Reichtum und Macht anbietet, wenn Jesus ihn nur anbetet.

Doch Jesus antwortet faktisch schon da, wie er es später nochmal ausdrücklich Pilatus gegenüber tun wird: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Auch wir werden immer wieder mit dem Diabolus und dessen Versuchungen konfrontiert, der uns das Weltliche anbietet, uns durcheinander werfen will, uns damit von uns selber losbekommen will. Er will uns damit auch vom wahren Leben trennen. Diesen Versuchungen widerstehen zu können, das wünsche ich uns allen!

Bleiben Sie sowohl in der Karnevals- als auch in der Fastenzeit behütet.

Ihr Michael Graf

 

Liebe Leserinnen und Leser unseres Pfarrbriefes, 

das kommende Jahr 2026 liegt auf dem aktuellen Monatsfoto bildlich vor uns. Es ist ein weites Feld. Selbst, wenn die Aussat erledigt sein wird, werden wir noch nicht wissen, wie die Ernte ausfällt.

Tatsache ist: Die Sonne wird jederzeit hinter dem Horizont scheinen und uns mit ihren hellen Strahlen Mut und Hoffnung machen, auch, wenn der uns durch das Jahr begleitende Weg vielleicht etwas unwirtlich oder holprig sein wird und uns eventuell sogar manch Gewitter und dunkle Wolken begegnen werden. Die Sonne ist da, wie auch Gott mit seiner Treue und Zusage.

Dies wissen und glauben zu können, wünsche ich uns allen auch für das kommende Jahr.
In diesem Sinne Ihnen allen ein gutes neues Jahr 2026! Und bleiben Sie auch weiterhin behütet.

Ihr Michael Graf
 

Liebe Leserinnen und Leser unseres Weihnachtspfarrbriefes,

das Titelfoto verdeutlicht diesmal zwei wesentliche Eigenschaften unseres Glaubens:

Erstens die Tradition, Weitergabe und Entfaltung des Glaubens im Glaubensleben und zweitens dessen je konkret örtliche Verankerung in der Glaubenspraxis.

Das Foto zeigt das Innere der Geburtskirche zu Bethlehem mit der markierten Stelle der Geburt Jesu. Es ist ein verörtlichtes Wissen, das die ersten Christen über viele Generationen hinweg, vielleicht sogar über einen Zeitraum von zwei bis dreihundert Jahren immer weiter bewahrt und überliefert haben.

Das Christentum als Religion mit historischen Wurzeln benötigt solche örtlichen Vergewisserungen.

So ist es bis heute. Die örtliche Verankerung unseres Glaubens und Glaubenslebens geschieht in unseren Kirchen und Gemeindezentren. Deshalb wollen und sollen wir diese Gebäude auch nach Möglichkeit erhalten.

Aber dieses Glaubensleben existiert nicht nur in diesen steinernen Gebäuden, sondern – und das ist sehr wichtig – auch in uns selbst, wie es Angelus Silesius uns vor langer Zeit schon mitgegeben hat:

„Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren.“

Dass uns diese innere Geburt zu Weihnachten gelingt, das wünsche ich uns und hoffe darauf. In diesem Sinne frohe und gesegnete Weihnachten!

Bleiben Sie behütet!

Ihr Michael Graf

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